Die Entstehung der Neustädter Tracht

Um das seit der Rathaussanierung alljährlich stattfindende altbayerische Stadtfest zu bereichern, regten 1979 einige Bürger die Beteiligung in historischen Gewändern an. Gleichzeitig wollte man aber auch etwas Besonderes und Bedeutungsvolles für die Stadt mit den ältesten bayerischen Stadtrechten schaffen. So setzten sich als erste Initiatoren Ludwig Reng sowie Josef und Martha Kremler mit dem Neustädter Wirtschaftsförderverein in Verbindung, um das Geplante zu verwirklichen.

Zwecks Beratung bei der Gestaltung und Beschaffung historischer Gewänder wurden erste Kontakte mit der Stadt Landshut, der Meisterschule für Mode in München und dem Kreisheimatpfleger Dr. Brenner in Prunn aufgenommen. Gerade das Gespräch mit dem Kreisheimatpfleger im Juli 1979 war später ausschlaggebend, um von historischen Kostümen abzurücken und eine Neustädter Heimattracht zu gestalten.

Dies erwies sich aber als wesentlich schwieriger als ursprünglich angenommen. Da keine spezielle Neustädter Tracht aus der Vergangenheit überliefert ist, war die Gestaltung und Entwurffassung sehr schwierig.
Beim Treffen eines Arbeitskreises in Prunn für heimische Trachtenerneuerungen im November 1980 wurden unter Vorsitz des Kreisheimatpflegers Dr. Brenner alte Original-Trachten des vorigen Jahrhunderts aus Prunn und Riedenburg sowie Irnsing bei Neustadt vorgestellt. Nachdem sich nun eine regionale Zuordnung abzeichnete, fertigte Martha Kremler erste Skizzen einer „Neustädter Tracht“ an. Jedoch erschien das bisher Erreichte bereits wenige Tage später bei einem Treffen zwischen Ludwig Reng, dem Ehepaar Kremler, Karl Beck sen. und dem Kreisheimatpfleger zu scheitern. Erst weitere Entwürfe von Martha Kremler, nach einem Archivblatt mit nur schriftlichen Aufzeichnungen, welches man von Dr. Eichenseer erhielt, und die Vorsprache beim Bayer. Landesverein für Heimatpflege in München brachten grünes Licht für die „Neustädter Tracht“.

Für die erneuerte „Neustädter Tracht“ gelten die folgenden Kriterien:
Das Frauengewand besteht aus einem reichgefalteten Miederrock, in warmem Rot, aus reiner Schurwolle.
Die Korsette ist mit Goldborten besetzt. Schürze und Halstuch sind gemustert, ohne Fransen und aus reiner Seide. Dazu ein original angefertigter schwarzer Hut mit patinierter Goldquaste. Schwarze Trachtenschuhe mit weißen Wollstrümpfen vervollständigen die Tracht. Charakteristisch ist auch die weiße oder naturfarbene Bluse mit schön geformten Schinkenärmeln und kurzem, spitzem Ausschnitt für die Halstuchdraphierung.

Für die Männer- und Burschentracht gibt es zwei Versionen:
Entweder blaue Joppe mit Stehkragen, roter Weste mit zwei Reihen silberfarbenen Knöpfen, schwarzlederne Kniebundhose ohne Verzierung oder übertriebener modischer Stepperei. Hierzu kräftig blaue Bundhosenkniestrümpfe und schwarze Trachtenschuhe mit Schnallen.
Für die Festtage einen langen braunen Rock mit Stehkragen, am Rand mit Samtband gefasst und samtüberzogenen Knöpfen verziert. Dazu eine vielfarbig schimmernde Seidenweste mit zwei Reihen Silberknöpfen, seidenem roten Halstuch und Uhrkette über dem Hosenlatz.

Der Hut für die Männer ist der gleiche wie bei den Frauen.

Am 05.06.1981 wurde im Rahmen des Pfingstvolksfestes die „Neustädter Tracht“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Die Neustädter Tracht, dargestellt von Vortänzer Thomas Biberger mit seiner Frau Maria.